Wer heute am Detlef-Lewe-Weg entlangkommt, denkt wahrscheinlich nicht automatisch an Olympische Spiele, Weltmeisterschaften und einen der erfolgreichsten Kanuten Deutschlands.
Dabei führt die Straße nicht zufällig zum Bootshaus des Kanu- und Surf-Vereins Schwerte. Ihr Name erinnert an einen Mann, der über viele Jahre eng mit dem Schwerter Kanusport verbunden war und den Namen der Stadt weit über die Region hinaus bekannt machte.
Detlef Lewe gewann zwei olympische Medaillen, wurde dreimal Weltmeister, zweimal Europameister und 33-mal Deutscher Meister.
Aber wer war der Mann hinter diesen Erfolgen?
Geboren in Dortmund, sportlich zu Hause in Schwerte
Detlef Lewe wurde am 20. Juni 1939 in Dortmund geboren. Seine sportliche Heimat fand er jedoch vor allem beim heutigen Kanu- und Surf-Verein Schwerte.
Schon als Jugendlicher war Detlef erfolgreich. 1957 holte er mit der Jugendmannschaft im Canadier-Achter einen deutschen Meistertitel nach Schwerte.
Mit Ausnahme einiger Jahre zwischen 1959 und 1963, in denen Detlef Lewe für Bertasee Duisburg startete, blieb der Schwerter Verein seine sportliche Heimat.
KVS Schwerte – Erfolge und Historie
Und aus einem erfolgreichen Nachwuchssportler wurde einer der besten Canadierfahrer seiner Zeit.
Vier Olympische Spiele innerhalb von zwölf Jahren
Allein diese Zahl ist bemerkenswert: Detlef Lewe nahm an vier Olympischen Spielen teil.
1960 in Rom belegte Detlef im Einer-Canadier über 1.000 Meter den sechsten Platz.
Vier Jahre später ging es nach Tokio. Gemeinsam mit Klaus Böhle erreichte Detlef Lewe dort im Zweier-Canadier erneut Rang sechs.
Dann kam Mexiko 1968. Mittlerweile gehörte Detlef international zur Spitze. Er war bereits Weltmeister und zweimal Europameister geworden.
Im Einer-Canadier über 1.000 Meter gewann Detlef Lewe in Mexiko schließlich die Silbermedaille.
Ein Schwerter Kanute auf dem olympischen Podium.
München 1972: Bronze und eine besondere Ehre
Eigentlich hätte die Geschichte schon nach Mexiko enden können. Doch Detlef kam noch einmal zurück.
1971 wurde Detlef Lewe gleich zweimal Weltmeister: über 500 und über 1.000 Meter im Einer-Canadier.
Damit gehörte er auch bei den Olympischen Spielen 1972 in München wieder zu den großen Namen seiner Sportart.
Und schon vor dem ersten Rennen erhielt Detlef eine außergewöhnliche Ehre. Bei der Eröffnungsfeier durfte Detlef Lewe die Fahne der bundesdeutschen Olympiamannschaft tragen.
Sportlich kam anschließend noch eine weitere Medaille dazu. Über 1.000 Meter gewann Detlef Bronze.
Seine olympische Bilanz nach vier Spielen: einmal Silber, einmal Bronze und zweimal Platz sechs.
Dreimal Weltmeister und 33-mal Deutscher Meister
Olympische Medaillen waren nur ein Teil seiner Karriere. Der Schwerter Verein zählt für Detlef Lewe:
- 3 Weltmeistertitel
- 2 Europameistertitel
- 33 Deutsche Meistertitel
Seine große Spezialität waren die 1.000 Meter im Einer-Canadier. 1966 wurde Detlef auf dieser Strecke erstmals Weltmeister. 1971 folgten gleich zwei weitere WM-Titel über 500 und 1.000 Meter.
KVS Schwerte – Vereinsgeschichte
Für einen Sportler aus einem vergleichsweise kleinen Verein war das eine außergewöhnliche Karriere.
Und dann war da noch die Fleischwurst
Wer in Schwerte über Detlef Lewe spricht, darf allerdings einen Teil seiner Geschichte nicht vergessen: die Fleischerei Lewe.
Detlef Lewe war gelernter Fleischer und betrieb als Fleischermeister ein eigenes Fachgeschäft in Schwerte.
Und spätestens an dieser Stelle dürften viele Schwerter aufhorchen. Denn die Fleischwurst von Lewe ist bis heute ein Begriff. Für viele Schwerter ist sie schlicht unschlagbar.
Und der gute Ruf endet offenbar nicht an der Stadtgrenze. Bis aus Dortmund kommen Menschen nach Schwerte, um bei Lewe einzukaufen. Wer mit Schwertern über die Fleischerei spricht, merkt schnell: Die Fleischwurst ist für manche fast genauso fest mit dem Namen Detlef Lewe verbunden wie seine sportlichen Erfolge.
Das ist vielleicht die sympathischste Seite dieser Geschichte: Auf der einen Seite der Weltmeister, Olympiamedaillengewinner und Fahnenträger der deutschen Mannschaft. Auf der anderen Seite der Fleischermeister aus Schwerte, dessen Name bis heute über einer Fleischerei steht und dessen Fleischwurst Menschen offenbar noch immer einige Kilometer Anfahrt wert ist.
1998 verkaufte Detlef Lewe seine Fleischerei und zog nach München.
Der erste Ehrenring der Stadt Schwerte
Wie außergewöhnlich seine Leistungen damals wahrgenommen wurden, zeigt eine ganz besondere Ehrung der Stadt.
Am 8. November 1968, nur wenige Wochen nach seinem olympischen Silbererfolg in Mexiko, erhielt Detlef Lewe den Ehrenring der Stadt Schwerte.
Detlef Lewe war der erste Schwerter, dem diese Auszeichnung verliehen wurde. Der Ehrenring ist bis heute die höchste Auszeichnung, die der Rat der Stadt Schwerte verleihen kann.
Die Stadt erinnerte später daran, dass Detlef Lewe sich besondere Verdienste um das Ansehen der Stadt Schwerte erworben hatte. Das sagt vielleicht mehr über seinen Stellenwert in Schwerte aus als eine lange Liste seiner Medaillen.
Warum heißt der Detlef-Lewe-Weg heute so?
1999, zu seinem 60. Geburtstag, setzte die Stadt ein weiteres dauerhaftes Zeichen. Die Straße, die zum Bootshaus seines Kanuvereins führt, erhielt den Namen Detlef-Lewe-Weg.
Heute hat der Kanu- und Surf-Verein Schwerte dort weiterhin seinen Sitz, am Detlef-Lewe-Weg 1.
Kanu- und Surf-Verein Schwerte
Wer also heute zum Bootshaus fährt oder an der Ruhr unterwegs ist, begegnet seinem Namen noch immer. Und wenn man seine Geschichte kennt, sieht dieses Straßenschild plötzlich ein bisschen anders aus.
Schwerte trauerte 2008 um seinen Olympioniken
Detlef Lewe starb am 1. Oktober 2008 in München nach kurzer Krankheit. Er wurde 69 Jahre alt.
Zur Beerdigung ordnete der damalige Schwerter Bürgermeister Heinrich Böckelühr Trauerbeflaggung an beiden Rathäusern an.
In der damaligen Mitteilung der Stadt wurde daran erinnert, dass Detlef Lewe durch seine sportlichen Leistungen den Namen Schwerte weltweit bekannt gemacht hatte.
Ein Name, hinter dem eine außergewöhnliche Geschichte steckt
Straßennamen nimmt man im Alltag meistens einfach hin. Detlef-Lewe-Weg. Man fährt vorbei. Vielleicht geht man dort spazieren oder besucht den Kanuverein.
Doch hinter diesem Straßenschild steckt eine Geschichte, die weit über Schwerte hinausführt: von der Ruhr nach Rom, nach Tokio, nach Mexiko-Stadt und schließlich zu den Olympischen Spielen nach München.
Aber sie führt eben auch wieder zurück nach Schwerte. Zum Kanuverein. Zum Ehrenring der Stadt. Und sogar zur Fleischwurst.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum Detlef Lewe so gut in unsere Rubrik „Menschen aus Schwerte“ passt. Detlef war international erfolgreicher Spitzensportler. Aber er war gleichzeitig Teil dieser Stadt. Und genau diese Geschichten wollen wir erzählen.
Menschen aus Schwerte
Mit „Menschen aus Schwerte“ stellen wir regelmäßig Persönlichkeiten vor, die die Stadt geprägt haben oder deren Geschichte eng mit Schwerte verbunden ist.
Manche Namen kennt fast jeder. Andere begegnen uns täglich auf Straßenschildern, an Gebäuden oder auf Plätzen, ohne dass wir noch wissen, welche Geschichte dahintersteckt. Genau da wollen wir genauer hinschauen.
Stand: September 2026





